Die
Dienstleistungen und Produkte von Unternehmen in der jeweils gleichen Branche (Banken, Versicherungen, Telekommunikation, Gesundheitswesen, IT usw.)
sind oft austauschbar. Das heisst, dass die Produkte und Dienstleistungen im Grundsatz gleich sind,
der Kunde sich aber dennoch für das eine oder andere
Produkt bzw. Unternehmen und somit gegen ein anderes Produkt bzw. Unternehmen entscheidet. Einen wesentlichen
Anteil zur Kaufentscheidung trägt das
Marketing bei.
Ganzheitlich betrachtet umfasst Marketing viele Dimensionen, diese sind auch bekannt als «Marketing-Mix» bzw. die «5 Marketing-P»:
In der Literatur wird
der Marketing-Mix laufend um weitere «P» ergänzt, diese sind aber
(noch) von geringer Bedeutung.
Ausgehend von der Feststellung, dass Dienstleistungen und Produkte von Unternehmen in gesättigten Märkten oft austauschbar sind, geht es darum, den erläuterten
Marketing-Mix auf die Kundenbedürfnisse zu
fokussieren.
Um herauszufinden, ob
eine neue Produkt- oder Dienstleistungsidee, eine Geschäftsmodell-Innovation oder gar ein neues Geschäftsfeld
tatsächlich einem Kundenbedürfnis und damit einem Marktpotenzial entsprechen, sind
vertiefte «Customer Insights» von grosser Bedeutung. Die Entwicklung von Customer Insights umfasst das
Beschreiben und Verstehen von Kundenbedürfnissen.
Ein gutes
Verfahren, um die Customer Insights zu entwickeln ist die
«Outside-In-Betrachtung» in Kombination mit der bewährten Inside-Out-Betrachtung. In dieser Betrachtung fliessen die Meinungen, Bedürfnisse und Bewertungen der Zielgruppe direkt in die Produktentwicklung ein. Outside-In
führt zu einer Öffnung des Unternehmens zum Markt bereits während der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen.
Durch Outside-In kann auch die Gestaltung von Text- und Bildmarken (Branding) sowie für anfassbare Produkte die Sensorik- und Handlingtests beeinflusst werden. Die Bedürfnisse kommen «auf den Tisch» und die Customer Insights entstehen.
Kunden, welche in die Outside-In-Betrachtung
involviert sind, bekommen das Gefühl, dass sie wirklich im Mittelpunkt stehen − Customer Insights ermöglichen somit eine effektive und effiziente Gestaltung der Produkt- und Dienstleistungsportfolios, was die Kundenzufriedenheit nachhaltig steigert.
Die
intensive Beschäftigung mit Customer Insights liefert auch einen Beitrag
für die Kommunikation bzw. Promotion des Produkts (siehe Marketing-Mix). Ausgehend von den Customer Insights kann die Kommunikation auf die impliziten und expliziten Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten werden.
Die
Entwicklung von Customer Insights führt im weiteren auch
zur Konkretisierung der «Unique Selling Proposition» (USP) bzw. dem komparativen Konkurrenzvorteil. Dies ermöglicht es, die wichtige Zielgruppe effektiver und effizienter anzusprechen.
Definition eines Consumer Insights
„Ein Consumer Insight
... ist ein „frischer“ oder „unerwarteter“ Einblick in die Bedürfnisse,
Wünsche, Probleme, Nöte, Verhaltensweisen etc. von Kunden.
... der dazu führt das der Kunde sagt:
„now you‘ve finally got it“,
„now you really understand me“.
Damit dies gelingt, muss
das Unternehmen für seine
Produkte und Dienstleistungen eine gezielte Positionierung vornehmen und diese auch aktiv auf den unterschiedlichsten Kanälen kommunizieren bzw. transportieren.
Aus diesen Zielen der Positionierung ergeben sich
zahlreiche Herausforderungen für ein Unternehmen:
| Positionierungsziel |
Herausforderung
|
| relevante Bedürfnisse |
- Evaluation der Bedürfnisse durch Marktforschung, Dialog mit Kundengruppen, Crowd Sourcing oder Open Innovation
- Unterscheidung in Grund-, Nebenbedürfnisse bzw. explizite und implizite Bedürfnisse
|
ausreichend grosse Kundengruppe
|
- Ausreichende Dimensionierung auf Zielgruppe (Personen oder Organisationen) mit entsprechender Kaufkraft
- Kaufentscheidung bzw. «Buying Center» überprüfen: Wer hat das Bedürfnis, wer entscheidet über den Kauf?
|
| massgeschneidert, effizient, solide Kompetenz |
- Basisleistungen und Zusatzleistungen definieren (inkl. Preise und Anreize)
- Mitarbeiter intern ausbilden, Umsetzung überprüfen
- Geschäftsprozesse im Verkauf wie im Service müssen beherrscht werden
|
| besser als irgendein anderer Anbieter |
- Positionierung im Markt als Preisführerschaft oder Qualitätsführerschaft?
- Klare Kommunikation von Wettbewerbsvorteilen (Einfachheit, Qualität, Günstig usw.)
- Marke des Unternehmens im Kopf der Kunden positiv verankern
- Neugier auf das Produkt bzw. Bedürfnis nach dem Produkt wecken und dies erhalten für Folge-Produkte
|
| nach Ansicht des Kunden |
- Kundenumfragen durchführen (quantitativ, qualitativ) und auswerten
- Kundengruppe aus der Bedürfnis-Evaluation wieder ansprechen und in Weiterentwicklung einbeziehen
|
| nachhaltig zufrieden stellen |
- Service (Reparaturen, Ersatz, Garantieleistungen) nach dem Kauf sicherstellen
- Produktaktualisierungen («Updates») von Beginn an einplanen, dadurch im Gespräch bleiben
- Weiterentwicklung des Produktes aktiv kommunizieren
|
Für ein des Produktes bzw. eine Dienstleistung werden in der Literatur häufig
5 Phasen als Lebenszyklus-Betrachtung angewendet:
- Einführung
- Wachstum
- Reife
- Sättigung
- Rückgang
Um die Phasen Reife, Sättigung und Rückgang auszuweiten bzw. hinauszuzögern, können
Produkte und Dienstleistungen während des Lebenszyklus durch Modifikation, Revitalisierung, Variation oder Bündelung
verändert werden. Die Marketingabteilung sollte darum
alle Produkte in einem Produktportfolio führen und dieses aktiv bewirtschaften und intern kommunizieren.
Produkt /
Dienstleistung
|
Zielgruppe(n)
|
Vertriebskanäle
|
Markt-
einführung |
Lebenszyklus |
Produkt 1
|
Privatpersonen
|
Online, Filiale
|
2007 |
Wachstum |
Service A
|
Studenten
|
Online, Filiale, Call-Center
|
2008 |
Einführung |
| Produkt 2 |
Jugendliche |
Online |
2004 |
Reife |
| Produkt 3 |
Generation 50+ |
Filiale, Call-Center |
1998 |
Rückgang |
| Service B |
Juristische Personen |
Filiale |
2001 |
Sättigung |
Aus der Bewirtschaftung des Portfolios lassen sich frühzeitig Projekte ableiten, welche so den den
Planungsprozess des Unternehmens (unterstützt durch ERP-Systeme) einfliessen.
In der Umsetzung der Marketingpläne (Promotion im Marketing-Mix) wird Werbung zur «Beschallung» der Kunden bzw. Kundengruppen aktiv eingesetzt. Das Prinzip der
Werbewirksamkeit wird mit dem Kürzel «AIDA» umschrieben:
Mit AIDA wird
eine vereinfachte Abfolge der operativen Werbewirksam dargestellt. AIDA blendet dabei die Themen wie Markenbekanntheit, Einstellung zur Marke oder Einstellung zum Werbemittel bewusst aus.
Ein weiteres Element das AIDA nicht beachtet ist die heute teilweise andere Reihenfolge: Aus
dem Interesse (Interest) des zunehmend aufgeklärten Kunden (er informiert sich über das Internet und im Dialog mit Kollegen)
wächst die Aufmerksamkeit (Attention). So könnte aus «AIDA» also auch «IADA» werden.